Welcher Satz ist üblich? Anhaltspunkte mit Quelle
Einen amtlichen Kapitalisierungssatz gibt es nicht. Die folgenden Zahlen zeigen, wo der Markt steht, was das Mietrecht erlaubt und wie vorsichtig der Staat rechnet. Stand 21. Oktober 2026, Quellen am Ende der Seite.
| Anhaltspunkt | Satz | Quelle |
|---|---|---|
| Netto-Cashflow-Rendite institutioneller Wohnportfolios 2025 | 2,9 % | IAZI Swiss Property Benchmark; MSCI/Wüest Partner Switzerland Property Index |
| Netto-Cashflow-Rendite Büro- und Geschäftsliegenschaften 2025 | 3,1 bis 3,5 % | IAZI; Wüest Partner |
| Mietrechtlich zulässige Nettorendite: Referenzzinssatz 1,25 % plus 2 Punkte | 3,25 % | Bundesgericht, Urteil 4A_554/2019; Bundesamt für Wohnungswesen |
| Voreinstellung dieses Rechners: gepflegtes Mehrfamilienhaus an guter Lage | 3,5 % | Annahme der Rudat AG |
| Bruttorendite neu erstellter Mehrfamilienhäuser | 3,5 % brutto | Fahrländer Partner und HEV Schweiz |
| Steuerlicher Kapitalisierungssatz für Mehrfamilienhäuser, Kanton Zürich, ab 2026 | 4,8 bis 6,5 % je Gemeinde | Regierungsrat des Kantons Zürich |
Die Renditen der Portfolios sind Durchschnitte über Tausende Liegenschaften, bewertet zu Marktwerten. Für ein einzelnes Haus liegt der Satz je nach Lage, Alter und Mieterspiegel darüber oder darunter. Die mietrechtliche Grenze zeigt, wie viel Nettorendite eine Vermieterin höchstens verlangen darf. Die Steuersätze des Kantons Zürich zeigen, warum der Steuerwert fast immer unter dem Marktwert liegt.
Rechenbeispiel
Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen, Nettomietertrag CHF 120’000 pro Jahr, Kapitalisierungssatz 3,5 %, Spanne plus und minus 0,25 Punkte.
| Rechenschritt | Betrag |
|---|---|
| Nettomietertrag pro Jahr | CHF 120’000 |
| Kapitalisierungssatz | 3,50 % |
| Ertragswert: 120’000 geteilt durch 0,035 | CHF 3’428’571, im Rechner gerundet CHF 3’429’000 |
| Oberes Ende der Spanne, Satz 3,25 % | CHF 3’692’308, gerundet CHF 3’690’000 |
| Unteres Ende der Spanne, Satz 3,75 % | CHF 3’200’000 |
| Ein Zehntelprozent weniger beim Satz (3,40 %) | CHF 3’529’412, also rund CHF 101’000 mehr |
| Wert als Vielfaches der Jahresmiete | 28,6-fach |
Zum Vergleich: Bei 4,0 % wären es CHF 3’000’000, bei 5,0 % CHF 2’400’000. Ein Prozentpunkt beim Satz macht in diesem Beispiel CHF 600’000 aus. Deshalb lohnt sich beim Verkauf eines Mehrfamilienhauses jede Stunde, die in Mieterspiegel, Nebenkostenabgrenzung und Unterhaltsnachweis fliesst: Sie begründet einen tieferen Satz.
Nettomietertrag richtig bestimmen
- Nettomietzinsen aller Einheiten pro Jahr, ohne Nebenkosten und Akontozahlungen.
- Dazuzählen: Parkplätze, Lager, Antennen- oder Werbeflächen, soweit sie vermietet sind.
- Leere Einheiten mit der erzielbaren Miete einsetzen, nicht mit null; die Bank tut es auch.
- Nicht abziehen: Unterhalt, Verwaltung, Versicherungen und Leerstandsrisiko. Sie stecken als Zuschläge im Kapitalisierungssatz.
- Deutlich zu tiefe oder zu hohe Mieten auf das nachhaltige Niveau anpassen. Das Mietrecht erlaubt eine Nettorendite von höchstens 2 Punkten über dem Referenzzinssatz, zurzeit also 3,25 %.
Der Anlass für diesen Rechner ist der IAZI-Preisindex vom 7. Oktober 2026: Renditeliegenschaften haben sich innert zwölf Monaten um 4,5 % verteuert und gegenüber dem Vorquartal um 1,4 %, Einfamilienhäuser nur um 2,8 % beziehungsweise 0,7 %, Eigentumswohnungen um 3,9 % beziehungsweise 0,8 %. Als Grund nennt IAZI die tiefen Zinsen: Je tiefer der Leitzins, desto grösser der Renditevorteil von Immobilien gegenüber anderen Anlagen. Wer ein Mehrfamilienhaus besitzt, hat in diesem Jahr an Wert gewonnen; wie viel, zeigt der Rechner, und ob der Markt es bezahlt, zeigt die Vermarktung an vorgemerkte Investoren.
Quellen
- IAZI AG: IAZI Preisindizes für Immobilien, 3. Quartal 2026 (Renditeliegenschaften +1,4 % zum Vorquartal und +4,5 % zum Vorjahr; Einfamilienhäuser +0,7 % und +2,8 %; Eigentumswohnungen +0,8 % und +3,9 %; Leitzins 0 %, zehnjährige Festhypotheken rund 2 %), 7. Oktober 2026, abgerufen am 21. Oktober 2026
- moneycab/AWP: Schweizer Immobilienpreise steigen weiter, Bericht zum IAZI-Preisindex, 7. Oktober 2026, abgerufen am 21. Oktober 2026
- finews.ch, 24. März 2026: IAZI Swiss Property Benchmark 2025 (Netto-Cashflow-Rendite Renditeliegenschaften 2,9 %, Büro- und Geschäftsliegenschaften 3,1 %; 15’861 Liegenschaften, Marktwert rund 326 Milliarden Franken), abgerufen am 21. Oktober 2026
- Wüest Partner: Performance von Immobilienanlagen, Switzerland Property Index 2025 (Wohnen: Netto-Cashflow-Rendite 2,9 %, Wertänderungsrendite 3,2 %, Gesamtrendite 6,2 %; Büro: Netto-Cashflow-Rendite 3,5 %), 26. März 2026, abgerufen am 21. Oktober 2026
- Bundesamt für Wohnungswesen BWO: Hypothekarischer Referenzzinssatz (1,25 %), abgerufen am 21. Oktober 2026
- HEV Winterthur, 27. Februar 2025: Fakten zu Immobilienrenditen, Referenzzinssatz und Mietzinsanpassungen (zulässige Nettorendite höchstens 2 Punkte über dem Referenzzinssatz nach Bundesgericht 4A_554/2019; Bruttorendite neu erstellter Mehrfamilienhäuser 3,5 % nach Fahrländer Partner und HEV Schweiz), abgerufen am 21. Oktober 2026
- Kanton Zürich, Medienmitteilung des Regierungsrats, September 2024: Neue Steuerwerte für Liegenschaften (Kapitalisierungssatz je Gemeinde 4,8 bis 6,5 %, Weisung in Kraft ab 1. Januar 2026), abgerufen am 21. Oktober 2026
- Schweizerische Nationalbank, Datenportal: SNB-Leitzins (0 %, Entscheid vom 24. September 2026), abgerufen am 21. Oktober 2026
- Fachstelle für Daten und Statistik Kanton Zug: Leerwohnungsziffer 1. Juni 2026 (0,20 %), abgerufen am 21. Oktober 2026
- Rudat AG: Hedonische Bewertung und Ertragswert erklärt (Definition des Ertragswerts nach den Richtlinien der Schweizerischen Bankiervereinigung), abgerufen am 21. Oktober 2026
